Berufsschulstufenkonzeption

Inhalt

1. Einleitende Worte

2. Zielsetzung

3. Strukturen der Berufsschulstufe
    3.1. Der Rhythmus
    3.2. Die Organisation
    3.3. Die Themenschwerpunkte
    3.4. Die Gemeinsamkeiten
    3.5. Die Inhalte
    3.6. Der zeitliche Rahmen

4. Inhalte der Berufsschulstufe
    4.1. Wesentliche Inhalte der BSS
            4.1.1. Die Trainingswohnung – Leben und Wohnen
            4.1.2. Der Schulkiosk
            4.1.3. Der Catering-Service
    4.2. Wohnunen & Haushalt
    4.3. Schülerfirma
    4.4. Die besonderen Aspekte der Berufsschulstufe
            4.4.1. Die Freizeit-AG
            4.4.2. Die Lern- und Berufswegekonferenzen
            4.4.3. PRaktika

5. Methodik und Didaktik


1.
Einleitende Worte

Die Berufsschulstufe stellt für die SchülerInnen eine Brücke zwischen Jugend und Erwachsenenleben dar. Ihr kommt daher die besondere Aufgabe zu, die Jugendlichen mit geistiger Behinderung auf ihr Leben als Erwachsene vorzubereiten, sie dabei zu begleiten und anzuleiten.

Ein wesentlicher Aspekt ist hierbei die Auseinandersetzung mit der (eigenen) Behinderung, die „Ich-Findung“ und damit verbunden die Fähigkeit zur realistischen Selbsteinschätzung, ohne die Selbstzufriedenheit nicht möglich ist. Außerdem gilt es, in der Diskrepanz zwischen möglicher und gewünschter sowie von Bezugspersonen zugelassener und geforderter Selbstständigkeit den individuell richtigen Zwischenweg zu finden.

In der Berufsschulstufe werden zudem die Grundlagen für eine spätere berufliche Tätigkeit der Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen geschaffen.

Nicht zuletzt sollen die SchülerInnen lernen sich mit den Anforderungen des Erwachsenenlebens auseinanderzusetzen. Hierzu stehen vor allem die Bereiche „Wohnen“, „Freizeitgestaltung“ und „Freundschaft & Partnerschaft“ im Mittelpunkt.

2. Zielsetzung

In der Berufsschulstufe werden die Bildungsinhalte aus den vorangegangenen Stufen fortgesetzt. Die wesentliche Zielsetzung in dieser Stufe ist jedoch, den Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen ein sinnerfülltes Leben zu ermöglichen.

Entsprechend setzen wir großes Gewicht auf die bereits in der Grund- und Hauptstufe grundgelegten Prinzipien der größtmöglichen Selbstständigkeit und Selbstbestimmung.

Die SchülerInnen sollen ihren individuellen Möglichkeiten entsprechend dazu befähigt werden…

  • …sich in ihrem Leben selbst zu verwirklichen, Lebensfreude und Bestätigung zu empfinden.
  • …sich altersgemäß schrittweise von ihrer Familie zu lösen und in einer passenden Wohnform zu leben.
  • …freie Zeit nach ihren persönlichen Bedürfnissen zu gestalten, Freizeitangebote auszuwählen und zu nutzen.
  • …einen Arbeitsplatz einzunehmen und dabei persönliche Befriedigung zu erfahren.
  • …sich in der Öffentlichkeit zu orientieren, zu bewegen und öffentliche Einrichtungen in Anspruch zu nehmen.

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist das Erkennen und (Weiter-)Entwickeln der eigenen Individualität. Die SchülerInnen sollen dabei unterstützt und angeleitet werden…

  • …eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und umsetzen zu können.
  • …mit Langeweile, Überforderung, Streit, schlechter Laune und ähnlichem umzugehen.
  • …sich die folgenden Fragen stellen zu können: Wie gehe ich mit mir selbst um? Wie gehe ich mit meiner Behinderung um?
  • …persönliche Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren.
  • …sich der eigenen Stärken bewusst zu werden.
  • …sich realistische Ziele setzen zu können.

Im Hinblick auf eine möglichst selbstständige und eigenverantwortliche Lebensweise lernen die SchülerInnen eine Vielzahl verschiedener (Grund-)Kenntnisse und (Grund-)Fertigkeiten unter anderem aus den Bildungsbereichen „Selbstständige Lebensführung“ und „Natur, Umwelt, Technik“ kennen und anwenden.

Dabei hat die Vermittlung so genannter Schlüsselqualifikationen einen besonderen Stellenwert. Für die Teilhabe am Berufsleben gilt es folgende personale und soziale Aspekte von Arbeit auszubilden bzw. zu stärken:

  • Pünktlichkeit
  • Zuverlässigkeit & Ehrlichkeit
  • Motivation
  • Team- und Konfliktfähigkeit
  • Ordnung & Sorgfalt
  • Pflichtbewusstsein und Verantwortungsbereitschaft
  • Umgang mit Vorgesetzten und Kollegen
  • Ergebnisqualität
  • Ausdauer

3. Strukturen der Berufsschulstufe

Die oben genannten Ziele sowie die Bedürfnisse der SchülerInnen gerade in dieser speziellen (Übergangs-)Zeit fest im Blick haltend, haben wir für unsere Berufsschulstufe gewisse Strukturierungen ausgearbeitet bzw. ausgewählt. Diese sollen neben anderen, zum Beispiel organisatorischen und räumlichen Aspekten, vor allem den Bedürfnissen der Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen gerecht werden und den an sie gestellten (zukünftigen) Erwartungen Rechnung tragen.

Kontinuität, Vertrautheit und individuelle Ansprache sind für unsere SchülerInnen nicht zu unterschätzende Faktoren, die ihnen in vielen Situationen erst die Auseinandersetzung mit Inhalten oder Materialien ermöglichen. Gleichzeitig ist es im Hinblick auf einen zukünftigen Arbeitsplatz ebenso wie auf das Wohnen in einem (teil-)betreuten Wohnangebot wichtig, dass die SchülerInnen sich auf Veränderungen, wechselndes Personal, unterschiedliche Verhaltensweisen von Lehrkräften (später Vorgesetzten) einstellen und damit umgehen können.

Die vielfältigen Inhalte aus ganz verschiedenen Themenbereichen bedürfen einer Strukturierung, die es den SchülerInnen ermöglicht, sich der Zusammenhänge bewusst zu werden: Worum geht es? In welchen Bereichen kommt dieses Thema zum tragen? Wie setze ich diesen Inhalt in meinem Alltag ein?

Auch diesen Aspekt haben wir versucht so weit als möglich in unsere Planung einzubeziehen.

Neben den eben genannten, spielten noch weitere Überlegungen eine Rolle: Welche Struktur ermöglicht es uns, allen SchülerInnen einen ähnlichen Themenablauf zu bieten und gleichzeitig auf ihre individuellen Förderbedürfnisse und Fähigkeiten einzugehen? Wie können befristete und durchgängige Themen, wie abgeschlossene und wiederkehrende Themen in einen sinnvollen und sich entwickelnden Ablauf gebracht werden?

Die im Folgenden dargestellte Strukturierung unserer Berufsschulstufe ist das Ergebnis all dieser Überlegungen und der damit verbundenen Abwägungen.

3.1. Der Rhythmus

Die Berufsschulstufe ist auf drei Jahre ausgelegt, entsprechend haben wir uns grundsätzlich für einen dreijährigen Rhythmus entschieden. Dieser kann bei einer Schulzeitverlängerung im Einzelfall jederzeit auf einen vierjährigen Rhythmus ausgedehnt werden.

Die Verlängerung der Schulzeit sollte unserer Meinung nach nicht die Regel sein, sondern nur in pädagogisch begründeten Fällen erfolgen.

3.2. Die Organisation

Die Berufsschulstufe ist organisatorisch u. a. auf Grund der räumlichen Gegebenheiten in zwei Gruppen – Gruppe A und Gruppe B – eingeteilt.

In diesen Gruppen wird der große Themenkomplex „Arbeit & Wohnen“ mit jeweils einem eigenen Schwerpunkt bearbeitet. Wir haben uns dabei für folgende, in den Ansprüchen steigende und im Hinblick auf die Selbstständigkeit und Berufsfähigkeit der SchulabgängerInnen in der Bedeutsamkeit zunehmende Abfolge entschieden:

  • 1. BSS-Jahr: „Arbeit & Wohnen“ zum Themenschwerpunkt „Wohnen & Haushalt“
  • 2. BSS-Jahr: „Arbeit & Wohnen“ zum Themenschwerpunkt „Schülerfirma“
  • 3. BSS-Jahr: Individuelle Förderbedürfnisse der SchülerInnen aus beiden Themenschwerpunkten

Die Schülerinnen sind im ersten Jahr der Gruppe A und im zweiten Jahr der Gruppe B fest zugeordnet. Im dritten Jahr werden die Schwerpunkte individuell für den einzelnen Schüler bzw. die einzelne Schülerin ausgewählt, die Jugendlichen wechseln dafür etwa jedes Vierteljahr zwischen den beiden Gruppen. In diesem letzten regulären Jahr stehen also jeweils sechs Monate für Inhalte aus „Wohnen & Haushalt“ sowie „Schülerfirma“ zur Verfügung.

3.3. Die Themenschwerpunkte

Im Unterschied zum Unterricht in der Grund- und Hauptstufe sind die Bildungsbereiche „Sprache – Deutsch“ und „Mathematik“ nicht mehr explizit im Stundenplan der Berufsschulstufe aufgeführt. Die vorhandenen Kenntnisse im Bereich der Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen) werden vielmehr im direkten alltagspraktischen Bezug sowie im Rahmen der Bearbeitung von Themenbereichen gefestigt und erweitert. Dadurch wird die Bedeutsamkeit dieser Inhalte für die SchülerInnen besonders ersichtlich. Zudem wenden sie ihre Fähigkeiten und Kenntnisse so in Situationen an, mit denen sie in ihrem Alltag sowie in ihrer Berufszeit konfrontiert werden.

Es besteht innerhalb der beiden Gruppen auch die Möglichkeit einzelne Themenschwerpunkte aus diesen beiden Bildungsbereichen  – z. B. „Geld“, „Uhr-Zeit“, „Literatur“ – im Rahmen eines Projektes zu bearbeiten.

Der Themenkomplex „Arbeit & Wohnen“ umfasst für uns folgende Bildungsbereiche bzw. Dimensionen:

  • Bildungsbereich „Selbstständige Lebensführung“
  • Bildungsbereich „Mensch in der Gesellschaft“
  • Bildungsbereich „Sprache-Deutsch“
  • Bildungsbereich „Mathematik“
  • Bildungsbereich „Natur, Umwelt, Technik“
  • Dimension „Bildende Kunst und textiles Gestalten“

Dieser Themenkomplex wird mit 16 Stunden pro Woche als „Arbeit & Wohnen (AuW)“ im Stundenplan der Berufsschulstufe aufgeführt.

Alle anderen Unterrichtsfächer werden gruppenübergreifend gemeinsam bzw. in Lerngruppen unterrichtet:

  • Bildungsbereich „Bewegung“
  • Dimension „Musik“
  • Bildungsbereich „Evangelische Religionslehre“
  • Bildungsbereich „Katholische Religionslehre“

Diese Bildungsbereiche bzw. Dimensionen werden im Stundenplan der Berufsschule ausdrücklich einzeln und mit der vorgeschriebenen Stundenzahl von 2 bzw. 5 Stunden pro Woche aufgeführt.

 3.4. Die Gemeinsamkeiten

 Trotz der teils klaren Unterteilung in zwei, mit Klassen durchaus vergleichbare, Gruppen ist die Berufsschulstufe eine Einheit.

 Im Schulalltag – zu Schulfesten, Geburtstagsfeiern, Ausflügen, Schullandheimen, Elternabenden etc. – tritt die Stufe immer gemeinsam auf.

Zudem beginnen die Gruppen bis auf wenige Ausnahmen (z. B. auf Grund von Praktika oder Arbeitsaufträgen) ihren Schultag mit einem gemeinsamen Morgenkreis. Dieses gemeinsame Forum dient der Organisation, dem Weitergeben von Information und vor allem dem Austausch der SchülerInnen untereinander und ist ein wesentlicher Bestandteil der Berufsschulstufe.

 Gemeinsam werden außerdem besondere Arbeitsaufträge zum Beispiel im Rahmen unseres Catering-Services und des Kiosks bearbeitet.

 3.5. Die Inhalte

 Für die Themenschwerpunkte der beiden Gruppen A und B sind in einem „Strukturplan“ alle möglichen Inhalte aufgeführt. Dabei wird zwischen verbindlichen, vordringlichen und weiteren denkbaren Inhalten unterschieden.

 (Vergleiche hierzu: „Strukturplan“ im Anhang der BSS-Konzeption)

 3.6.  Der zeitliche Rahmen

Der Unterricht in der Berufsschulstufe erfolgt in der Regel in Unterrichtsblöcken zu je 2 Stunden, wie dies auch in der Grund- und Hauptstufe der Fall ist.

Für Arbeitsaufträge des Catering-Services und Arbeiten der Schülerfirma werden immer wieder jedoch auch ganze Arbeitstage gebraucht. Diese werden dann entsprechend den Gegebenheit strukturiert. Zu besonderen Anlässen kann auch eine teilweise Unterrichtsverlegung in den Abend erfolgen.

4. Inhalte der BSS

4.1.        Wesentliche Inhalte der BSS

Durch die zahlreichen Handlungsfelder und Angebote  in der Berufsschulstufe sollen die jungen Erwachsenen zu selbstbestimmtem Handeln und zu mehr Teilhabe geführt werden. Einige dieser Angebote werden gruppenübergreifend, d. h. von allen SchülerInnen der Berufsschulstufe bearbeitet.

 4.1.1.   Die Trainingswohnung – Leben und Wohnen

In der vom Landkreis angemieteten Trainingswohnung (Münzesheim) lernen die Jugendlichen, sich in einer fremden Umgebung zurecht zu finden und möglichst selbstständig den Alltag zu bewältigen. Entsprechend ihrer individuellen Möglichkeiten und mit jeweils angemessener Begleitung bzw. Unterstützung gestalten die SchülerInnen den Tagesablauf selbst. Dazu gehört die Wohnungspflege (z. B. Putzen, Spülen) ebenso wie die Organisation der Hausarbeiten (z. B. Einkaufen, Kochen) und des persönlichen Bereichs (z. B. Duschen, Freizeit).

Das Trainingswohnen ist ein hervorragendes Erprobungsfeld im Hinblick auf die Selbstständigkeit der jungen Erwachsenen: Sie planen und handeln in Alltagssituationen, machen Fehler, erfahren Konsequenzen und lernen Probleme möglichst selbstständig bzw. ohne Hilfe zu lösen.

An den Vorbereitungen, der Durchführung sowie der anschließenden Reflexion des Trainingswohnens sollen alle SchülerInnen der Berufsschulstufe mindestens einmal im Schuljahr teilnehmen.

Dabei variiert der Betreuungsgrad durch die Lehrkräfte je nach Selbstständigkeit und Selbstverantwortlichkeit der SchülerInnen zwischen Rund-um-Begleitung und kurzen Besuchen. Um eine möglichst reale Situation zu schaffen, findet während des Trainingswohnens der Schulbesuch regulär statt, die SchülerInnen kommen von der Trainingswohnung in die Schule und gehen im Anschluss wieder dorthin zurück.

4.1.2.  Der Schulkiosk

Einmal in der Woche (zur Zeit dienstags) verkaufen die SchülerInnen in der großen Pause Brötchen, Getränke und manchmal andere Leckereien (z. B. Mini-Donuts, Gemüsetaschen). Bei Planung, Organisation, Einkauf sowie besonders bei der Herstellung der Produkte und deren Verkauf wirken die Jugendlichen aktiv mit.

Wesentliche Lernaspekte sind hierbei neben den hauswirtschaftlichen Lernbereichen v. a. die Möglichkeit zur Kommunikation (mit den Kunden) sowie der Umgang mit Geld (z. B. herausgeben, wechseln).

4.1.3. Der Catering-Service

 Viele Dinge des Alltags bearbeiten wir intensiv im „Schonraum Schule“ bzw. bereiten sie hier vor und suchen dann die Verbindung in die Realität. Die zahlreichen Catering-Aufträge für die Bewirtung ganz unterschiedlicher Veranstaltungen (z. B. Vernissagen, Geburtstage, Schulfeste) sollen den jungen Erwachsenen zusätzliche Arbeitserfahrungen auch außerhalb der Schule ermöglichen.

 Alle SchülerInnen der Berufsschulstufe sind dabei in den Beschaffungs- und Produktionsprozess eingebunden, helfen beim Einkaufen, Backen, Waschen, Vorbereiten, Zusammenstecken, Packen etc. Einige SchülerInnen bilden dann zusammen mit Lehrkräften ein stetig wechselndes Catering-Team. Dieses Team fährt zu den Veranstaltungsorten, richtet die Platten her, baut Büffets auf, serviert Häppchen und/oder schenkt Getränke aus.

Im Rahmen der Arbeit rund um die Caterings lernen die SchülerInnen neben hauswirtschaftlichen Tätigkeiten auch den Umgang mit Kunden sowie angemessenes Verhalten in der Öffentlichkeit. Ein besonderer, nicht zu unterschätzender Aspekt der Catering-Tätigkeit ist die Erfahrung von Lob und Anerkennung.

4.2. „Wohnen & Haushalt“

Dieses Themenfeld steht v. a. im ersten Berufsschulstufenjahr (Gruppe A) zur Bearbeitung an. Die SchülerInnen beschäftigen sich dabei mit verschiedenste Inhalten rund um das möglichst selbstständige Wohnen.

Behandelt werden dabei u. a. folgende Themen: „Wohnformen“, „Meine Wohnumgebung“, „Einkaufsmöglichkeiten“, „Wie hole ich Hilfe?“, Alles rund um Wäsche“, „Mein Tagesablauf“, „Freizeitgestaltung“, „Richtiger Umgang mit Haushaltsgeräten“, „Gesunde Ernährung“ etc.

Bei diesen Themen steht deren praktische Umsetzung sowie der Alltagsbezug im Vordergrund, die Theorie ist daher eng mit dem Hauswirtschaftsunterricht (u. a. Einkaufen, Aufbewahren, Kochen, Menü-Komponenten, Tischdienst), dem Wäschedienst sowie dem Trainingswohnen vernetzt.

Ein wesentliches Handlungsfeld ist hier die Durchführung eines Wäschedienstes für die Schulgemeinschaft. Im Rahmen dieses Dienstleistungsangebotes sammeln die SchülerInnen wöchentlich die benutzte Wäsche aus den Klassen und Fachräumen ein, teilen frische Wäsche aus und führen alle notwendigen Schritte möglichst selbstständig aus: Wäsche waschen, trocknen, bügeln, zusammenlegen, einräumen.

4.3. „Schülerfirma“

Von der Nutzung und Gestaltung des eigenen Wohnraums wenden sich die SchülerInne im zweiten Berufsschulstufenjahr (Gruppe B) v. a. verschiedenen beruflichen Tätigkeitsbereichen zu.

Um die Jugendlichen auf das nachschulische Leben vorzubereiten, findet der  Unterricht in wirklichkeitsnahen, handlungsorientierten Erprobungsfeldern statt.

So lernen die Schüler z. B. in unserem Schulgarten den Rasen zu mähen und Hecken zu schneiden. Die so erworbenen Kenntnisse können sie später bei Auftragsarbeiten anwenden, indem sie z. B. für Senioren Dienstleistungen im Rahmen der Rasen- und Gartenpflege übernehmen.

Solche Auftragsarbeiten bieten den SchülerInnen die Möglichkeit ihre Arbeitsfähigkeit in realistischen Situationen weiter zu entwickeln.

4.4. Die besonderen Aspekte der Berufsschulstufe

Einige Angebote und Handhabungen sind für die Arbeit in der Berufsschulstufe wesentlich. Sie ergeben sich unter anderem aus der besonderen Situation dieser Stufe als Vermittler und Übergang zwischen Schule und Arbeitswelt.

4.4.1. Die Freizeit-AG

Freizeit ist ein wichtiger, nicht zu unterschätzender Teil des Lebens. Um den SchülerInnen Freizeitmöglichkeiten vorzustellen und möglich zu machen, werden daher unter Mitbestimmung der Jugendlichen altersgemäße Freizeitangebote ausgewählt, z. B: Kino, kulturelle und integrative Angebote am Abend.

Diese Freizeitaktivitäten stehen allen SchülerInnen der Berufsschulstufe offen und werden außerhalb der Unterrichtszeiten von Lehrkräften angeboten.

4.4.2. Die Lern- und Berufswegekonferenzen

Wie in den vorangegangenen Stufen auch werden ca. zwei Mal im Jahr sogenannte Lernwegekonferenzen mit den Eltern durchgeführt.

Es ist gewünscht, dass die SchülerInnen der Berufsschulstufe dabei entsprechend ihrer individuellen Möglichkeiten einbezogen und beteiligt werden. Zudem finden in dieser Stufe die sogenannten Berufswegekonferenzen statt, in denen es um berufliche Perspektiven, Praktikumsmöglichkeiten etc. der jungen Erwachsenen geht.

Beide Konferenzen werden von schulischer Seite in enger Zusammenarbeit mit den Eltern und dem Schüler zur Planung und Vorbereitung des eigenen Lebens- und Berufsweges durchgeführt. In diesen individuellen, offenen Beratungsgesprächen werden Neigungen und Fähigkeiten der SchülerInnen angesprochen und Fördermöglichkeiten benannt.

Für die Jugendlichen ist es wichtig, ein realistisches Bild von den eigenen Schwächen und Stärken zu erhalten. Dabei bleibt eine Auseinandersetzung mit der Behinderung des jungen Erwachsenen nicht aus, die beinhaltet persönliche Grenzen zu akzeptieren.

Die gute Zusammenarbeit von Schule und Familie soll dazu beitragen, die SchülerInnen zu größerer Selbstständigkeit zu führen und sie zudem in das nachschulische Leben zu begleiten. Dabei wird für jede Schülerin bzw. jeden Schüler eine individuelle Zukunftsplanung erstellt, die sowohl im Unterricht als auch (möglichst) zu Hause ihre Umsetzung findet.

Neben dem Elternhaus kommt auch der Kooperation mit außerschulischen Partnern eine wichtige Bedeutung zu. Es werden u. a. Gespräche mit Vertretern der Agentur für Arbeit, des KOBV (Kooperative berufliche Bildung und Vorbereitung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt), dem Amt für Versorgung und Rehabilitation sowie dem Integrationsfachdienst geführt. Diese Zusammenarbeit hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend intensiviert.

4.4.3. Praktika

Bevor die Schulzeit zu Ende geht und ein neuer Lebensabschnitt beginnt, ist es für die jungen Erwachsenen wichtig, herauszufinden was sie können und worauf es in den verschiedenen beruflichen Tätigkeiten ankommt.

Betriebliche Praktika werden im Unterricht vorbereitet, ausgewertet und reflektiert. Bewerbungen, adäquates Auftreten und Umgangsformen können geübt werden,  ebenso möchten wir die Wichtigkeit des Erscheinungsbildes vermitteln.

Es werden Betriebserkundungen und Betriebspraktika, die neben der Werkstatt für behinderte Menschen auch den allgemeinen Arbeitsmarkt einbeziehen, durchgeführt.

Verschiedenste Praktika werden entsprechend der individuellen Fähigkeiten der Schüler/innen angeboten:

  • Im Dienstleistungsbereich (Wäscherei, Restaurant, Bauhof, Seniorenheim, Baubranche)
  • Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau
  • Auenhof
  • Praktika rund um die Schule (z. B. Schulkindergarten)

Tages- und Wochenpraktika dienen einer ersten Orientierung. Sie sollen den Schülern helfen, ihre Stärken und Schwächen herauszufinden, Interessen zu bilden bzw. zu erkennen und die Anforderungen des allgemeinen Arbeitsmarktes kennen zu lernen.

Nach Möglichkeit werden auch Langzeitpraktika angeboten, in denen unter realen Bedingungen mehrere Wochen lang Tätigkeiten ausgeführt werden.

Hierbei spielt die Zusammenarbeit mit Betrieben, Behörden und Eltern eine wichtige Rolle.

Es ist dabei unserer Meinung nach wünschenswert, dass alle SchülerInnen in jedem Berufsschulstufenjahr mindestens einmal ein (Schnupper-)Praktikum machen, u. a. in der Werkstatt für behinderte Menschen absolvieren.

5. Methodik und Didaktik

Für die Berufsschulstufe gilt die allgemeine Didaktik des SBBZ Geistige Entwicklung, wie sie auch in der Grund- und Hauptstufe praktiziert wird. Es gibt jedoch für die Berufsschulstufe im Allgemeinen wie auch für einzelne ihrer Handlungsfelder und Themen im Besonderen einige berufsschulstufenspezifische Aspekte bzw. Aspekte, die im Vergleich zu den vorangegangenen Stufen in dieser Phase stärker gewichtet werden.

Um der besonderen Situation der Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen angemessen Rechnung zu tragen, ist die Arbeit in dieser Stufe durch eindeutige Orientierungshilfen und eine erwachsengemäße Pädagogik geprägt.

Die Arbeit in der Berufsschulstufe setzt die Bereitschaft der Lehrkräfte und MitarbeiterInnen voraus, in den Jugendlichen junge Erwachsene zu sehen, auch wenn diese noch kindliche Verhaltensweisen zeigen. Es ist wichtig, den SchülerInnen als jungen Erwachsenen eine entsprechende Wertschätzung entgegenzubringen und zu vermitteln.

Die Unterrichtsplanung und -gestaltung der Berufsschulstufe soll die Selbstständigkeit, Kooperationsfähigkeit und Eigenverantwortung der SchülerInnen fördern bzw. unterstützen.

  • Die SchülerInnen sollen so weit wie möglich an der Themenfindung/-auswahl, der Planung und Reflexion von Unterrichtsinhalten beteiligt sein.
  • Es gibt im Unterricht ein Angebot von Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten, z. B. im Rahmen einer Lerntheke, beim Einteilen der Klassendienste, beim Auswählen einer Arbeit etc.
  • Den SchülerInnen werden gewisse Verantwortlichkeiten im Tagesablauf der Schule übertragen, z. B. Thekenaufbau, Wäschepflege, Bestuhlungen und Dekorationen für Feste, Umgang mit Konflikten etc. In der möglichst selbstständigen Erinnerung und Durchführung werden sie so weit als nötig unterstützt.
  • Die SchülerInnen übernehmen Verantwortung für ausgewählte Aktivitäten (z. B. bei den Klassendienste, beim Kochen etc.), erfahren Konsequenzen des eigenen Handelns und lernen damit umzugehen.
  • Alltägliche Anlässe werden für das Mobilitätstraining, angemessenes Verhalten in der Öffentlichkeit und ein gutes Miteinander genutzt.
  • Dabei ist es wichtig, dass die SchülerInnen erfahren, dass gewisse Verhaltensweise Konsequenzen einbringen bzw. Folgen haben.
  • Lerngänge und außerschulische Lernorte sollten ein fester Bestandteil des Unterrichts sein, um den SchülerInnen möglichst authentische Lernsituationen zu bieten.
  • In gemeinsamen Gesprächen wie auch im Alltag bekommen die SchülerInnen Raum mitzureden, mit zu entscheiden und eigene Bedürfnisse, Interessen und Ideen einzubringen.
  • Die SchülerInnen sollen zu einem selbstbestimmten und selbstrealistischen Arbeiten / Tun hingeführt werden. Dabei ist es notwendig…
    •  …von ihren Interessen auszugehen.
    • …ihre Erfahrungen aufzugreifen.
    • …das Ziel und den Nutzen transparent zu machen.
    • …die Planung und Durchführung eines Unterrichtsvorhabens für ihre Ideen und Möglichkeiten zu öffnen.
    • …das Ziel im gemeinsamen Handeln zu verwirklichen.

Dazu eignen sich v. a. fächerübergreifende, themenorientierte Projekte und Arbeitsweisen.

  • Die SchülerInnen sollen lernen, sich selbst zu helfen:
    • MitschülerInnen um Hilfe bitten und dafür in anderen Situationen anderen als „Helfer“ oder „Experte“ zur Verfügung zu stehen.
    • Orientierungshilfe kennen (z. B. Wörterbuch, Lexikon, Telefonbuch, Katalog, Internet)
  • Reflexionsgespräche sind fester Bestandteil des Unterrichts. So lernen sich selbst bzw. ihre Arbeit zu reflektieren, sich und andere einzuschätzen und mit Kritik konstruktiv umzugehen. Für diese Reflexionen gibt es eine Vielzahl an Umsetzungsmöglichkeiten:
    • Abschlusskreis am Ende der Stunde / des Tages
    • Verfassen von Praktikumsberichten
    • Führen eines Trainingswohnungstagebuchs
    • Gemeinsames Ausfüllen einer Kompetenzanalyse
  • Eine realistische Selbstwahrnehmung, das Wissen um die eigenen Stärken und Schwächen ist besonders (aber keinesfalls ausschließlich!) für die berufsorientierte Diagnostik wichtig. Dabei geht es u. a. um die Fragen „Was kann ich besonders gut?“, „Zu welchem Berufsfeld passt das?“ und „Wo kann ich mir vorstellen, zu arbeiten?“
  • Die SchülerInnen sollen möglichst vielfältige Eindrücke aus den verschiedensten Arbeitsfeldern (z. B. Küche, Pflege, Bauhof, Verkauf, Lager, Produktion & Montage) und ganz unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnissen (z. B. freier Arbeitsmarkt, Werkstatt für behinderte Menschen, Auenhof etc.) sammeln. Erst auf der Basis solcher Erfahrungen ist es den SchülerInnen möglich, sich realistisch für einen Tätigkeitsbereich bzw. eine Arbeitsstelle zu entscheiden bzw. sich zumindest aktiv an der beruflichen Planung zu beteiligen.